Mercedes‘ elektrische Zukunft

by • 10. Juni 2016 • MobilitätComments (0)2323

 

Die nächste Generation Brennstoffzellenfahrzeug von Mercedes-Benz: Ein Prototyp des Mercedes-Benz GLC-F-CELL. Außerdem der neue smart electric drive (Prototyp) , der noch in diesem Jahr startet.

Die nächste Generation Brennstoffzellenfahrzeug von Mercedes-Benz: Ein Prototyp des Mercedes-Benz GLC-F-CELL. Außerdem der neue smart electric drive (Prototyp) , der noch in diesem Jahr startet.

Elektromobilität ist und bleibt die Zukunftsperspektive für eine emissionsarme oder gar emissionsfreie Zukunft. Was Mercedes diesbezüglich für die nahe Zukunft in petto hat, wurde jetzt in Stuttgart enthüllt. Wir waren und sind nachhaltig beeindruckt.

 

Elektromobilität ist die Mobilität der Zukunft. Punkt. Doch hinter dem Begriff steckt mehr als nur der Gedanke, ein paar Batterien in ein Auto zu bauen. Weit mehr. Wie viele Gedanken und Planungen man investieren muss und dass es nicht eine Mobilitätslösung für alle gibt, das weiß man bei Mercedes-Benz ganz genau. Deswegen enthüllten die Stuttgarter gerade ihren Technikbaukasten für die kommenden Jahre. Klar ist: Elektromotoren werden die Innovationstreiber, die Formen der Energiedarreichung jedoch werden variieren. Das Investment von Mercedes in „grüne“ Technologien wird in den kommenden zwei Jahren atemberaubende 7 Milliarden Euro betragen. Lüften wir also den Vorhang zu den Mobilitätskonzepten, mit denen die Marke mit dem Stern in Zukunft ihrer Rolle als Erfinder des Automobils gerecht werden will.

„Das Investment von Mercedes in „grüne“ Technologien wird in den kommenden zwei Jahren atemberaubende 7 Milliarden Euro betragen“ Professor Dr. Thomas Weber, Vorstand Mercedes-Benz

 

Mercedes-Benz GLC F-Cell

Der GLC F-Cell ist technisch der Knaller. Insider wissen, was sich hinter dem Begriff F-Cell versteckt, nämlich ein Antrieb per Brennstoffzelle. Bei dieser Technik wird Wasserstoff aus den Tanks des Fahrzeugs verbrannt, es entsteht Energie und – das ist der Gewinn für die Umwelt – schlichtweg Wasser. Während andernorts CO2 und NOx aus den Auspuffrohren rauschen, bleiben hier nur ein paar Wassertropfen auf der Straße zurück. Toll, warum gibt es das noch nicht? Nun, versuchsweise gab und gibt es das schon lange, doch erst ganz langsam trauen sich Serienfahrzeuge in kleinen Stückzahlen auf die Straßen. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Die Brennstoffzellentechnik ist nicht gerade günstig und Tankstellen für Wasserstoff muss man mit der Lupe suchen. An den Kosten wird sich so schnell nichts ändern, die erforderliche Infrastruktur hingegen soll nun doch endlich ordentlich ausgebaut werden.

Die Brennstoffzelle bekommt einen Stecker: Der GLC F-Cell besitzt eine zusätzliche Batterie für mehr Leistung und lässt sich per Kabel laden

Die Brennstoffzelle bekommt einen Stecker: Der GLC F-Cell besitzt eine zusätzliche Batterie für mehr Leistung und lässt sich per Kabel laden

Bei Mercedes-Benz denkt man den entscheidenden Schritt weiter, denn der GLC F-Cell, der 2017 auf den Markt kommen wird, vereint die Brennstoffzelle mit einer zusätzlichen Batterie mit immerhin 9 kWh Kapazität, die auch an der Steckdose befüllt werden kann. Der Vorteil dieses Plug-In-Prinzips: Auch in ein wenig Distanz zur nächsten Wasserstoff-Tankstelle kann man mobil bleiben, viel wichtiger war den Entwicklern aber die aus der Kombination resultierende Dynamik, denn die Batterie ist in der Lage, größere Ströme zu liefern und so beeindruckende Fahrleistungen zu ermöglichen. Außerdem hilft sie bei der Rekuperation, also dem Rückgewinnen von Energie im Schiebebetrieb bzw. bei Bergabfahrt. Insgesamt erzielt der GLC F-Cell so eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern – beeindruckend.

Die kompakte Brennstoffzelle passt in den Motorraum, im Heck unterstützt ein 9 kWh fassender Lithium-Ionen-Akku den GLC F-Cell

Die kompakte Brennstoffzelle passt in den Motorraum, im Heck unterstützt ein 9 kWh fassender Lithium-Ionen-Akku den GLC F-Cell

Völlig genial ist die Bauform der verwendeten Brennstoffzelle, denn diese passt dorthin, wo für gewöhnlich ein Benzin- oder Dieseltriebwerk ihren Dienst tun. Das erlaubt die Produktion des Hightech-gefährts auf den ganz normalen Fließbändern, wo die F-Cell Variante zwischen ihren Geschwistern durch die Werkshallen gleiten wird. Das wird die Kosten für den GLC F-Cell weiter senken, auch wenn sicherlich 2017 kein Discountpreis das kompakte SUV zieren wird. Über Stückzahlen ist im Vorfeld schwer zu spekulieren, es soll aber eine vierstellige Zahl von F-Cells die Straßen bevölkern.

„Bis 2020 wird Elektromobilität bei Daimler sechsstellig“  Professor Dr. Thomas Weber, Vorstand Mercedes-Benz

Gibt es da nicht ein Henne-Ei-Problem? Wo sollen die F-Cells denn dann tanken bzw. wie soll sich der Ausbau eines entsprechenden Tankstellennetzes für die Betreiber rechnen? Wenn man nur das PKW-Segment betrachtet, ist das sicher richtig, bei LKWs kann aber die Elektrifizierung des Antriebs nur über die Brennstoffzelle erfolgen, man stelle sich nur vor, was für gigantische Batteriepakete für den Antrieb eines 40-Tonners vonnöten wären. Insofern könnte und sollte die auch im Bereich LKW unumgängliche Elektrifizierung hier für eine entsprechende Abnahme sorgen.

 

smart electric drive

Im November kommt endlich, der lang ersehnte Nachfolger des aktuellen smart electric drive. Die gute Nachricht: Es wird alle drei Bauformen in elektrifizierter Form geben: Coupé, Cabrio sowie den Viertürer. Über die exakte Reichweite und den Preis schweigt man sich noch aus, zur Messe im Herbst in Paris wird es aber Details geben. Zunächst wird es den electric drive in den USA geben, wo zuletzt nahezu jeder vierte, verkaufte smart elektrisch angetrieben wurde, Anfang 2017 ist dann Europa an der Reihe. Eine passend gestaltete Wallbox ermöglicht das „Betanken“ zu Hause.

 

S-Klasse Plug-in Hybrid mit induktiver Ladung

Die Sache mit der Steckverbindung ist ihnen noch zu kompliziert? Dann können Sie ab dem kommenden Jahr mit der dann leicht überarbeiteten S-Klasse auch ein System für induktives Laden ordern. Ein auf dem Garagenboden (notfalls auch in unüberdachten Bereichen) montiertes Spulenelement sorgt in Verbindung mit dem passenden Gegenstück an der neuen S-Klasse S 500 e dafür, dass man einfach den Stellplatz anfährt und der Ladevorgang dann automatisch startet. Bei der exakten Positionierung hilft das Display im Armaturenbrett und mit einem Wirkungsgrad von etwa 90 Prozent ist das System auch effektiv genug, um die dann leistungsfähigere Lithium-Ionen-Batterie, die die S-Klasse zu rund 50 Kilometern elektrischer Fahrt befähigt, mit etwa 3,6 kW zu beladen.

Die facegeliftete S-Klasse als Plug-in-Hybrid wird sich 2017 induktiv laden lassen wie ein Smartphone oder die elektrische Zahnbürste

Die facegeliftete S-Klasse als Plug-in-Hybrid wird sich 2017 induktiv laden lassen wie ein Smartphone oder die elektrische Zahnbürste

Das Thema „Laden“ ist ja überhaupt ein bestimmendes, wie es vortrefflich ein amerikanischer Wettbewerber mit eigener Ladeinfrastruktur vorexerziert. Doch von Insellösungen hält man bei Daimler nichts und setzt deshalb bei den ab 2018 erscheinenden Modellen auf den leistungsfähigen Standard CCS. Das Combined Charging System vereint Wechsel- und Gleichstromladetechnik und wird zusammen mit anderen Herstellern und vor allem den Betreibern von Ladestationen sukzessive zum globalen, offenen und universellen Ladestandard ausgebaut. In Verbindung mit dem zugehörigen, europäischen Steckerstandard steht somit länderübergreifender Elektromobilität nichts mehr im Wege.

 

Paris ist immer eine gute Idee

Ein wenig hat man bei Mercedes-Benz den Vorhang zur elektrischen Mobilität also bereits gelüftet, die eigentliche Schlüsselveranstaltung wird dann aber der Pariser Salon im Herbst werden. Dort ist dann neben den hier erwähnten und gezeigten Neuheiten auch der erste Ausblick auf Mercedes’ neuestes, batterieelektrische Gefährt zu erwarten, das „noch in dieser Dekade“, also spätestens bis 2020, mit Reichweiten bis zu 500 Kilometern für angemessene Mobilität sorgen soll. Den technischen Unterbau mit einem flexiblen Konzept zur Unterbringung unterschiedlichster Batterietechnologien gab es schon zu sehen, die wirkliche Enthüllung folgt dann im Herbst. Wir sind definitiv gespannt.

Batterien mit unterschiedlicher Technik lassen sich in das modulare Konzept für das reine Elektrofahrzeug integrieren, das noch vor 2020 seinen Weg auf die Straße finden soll

Batterien mit unterschiedlicher Technik lassen sich in das modulare Konzept für das reine Elektrofahrzeug integrieren, das noch vor 2020 seinen Weg auf die Straße finden soll

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