Range Rover Evoque Cabrio

by • 31. Mai 2016 • featuredComments (0)2047

 

Das Evoque Cabrio ist ohnehin auffällig - in Phönix Orange umso mehr

Das Evoque Cabrio ist ohnehin auffällig – in Phönix Orange umso mehr

Land Rover hat es gemacht. Sie haben das Erfolgs-SUV Evoque enthauptet. Das Cabrio vereint nun die Vor- oder Nachteile von SUV, Cabrio und Coupé. Man soll es kaum glauben, das Ergebnis weckt Begehrlichkeiten.

Eine schöne Strecke hat Land Rover da für uns ausgesucht. Vermutlich. Der geplante Ausritt für das Evoque Cabrio soll irgendwo über Landstraßen in Richtung eines alten Steinbruchs gehen, um dort die Offroad-Qualitäten zu demonstrieren. Wir nehmen das freundlich zur Kenntnis, entführen das auffällig orangerote Gefährt aber stattdessen in seinen wahren Lebensraum, in die Großstadt. Am Tag zuvor und noch am Morgen hatte es wie aus Eimern geschüttet. Die Straßen nass, der Himmel verhängen, die klimatische Aussicht ungewiss. So lieben wir das, echtes Cabriowetter eben. Während wir im Anflug auf Düsseldorf sind, schmiert die von den vorausfahrenden Fahrzeugen aufgewirbelte Feuchtigkeit einen zarten Film auf die Frontscheibe. Die Wischer starten automatisch und wir blicken ängstlich hoch zur Kante der Frontscheibe. Selbstverständlich fahren wir offen, schließlich haben wir den Evoque gerade mal vier Stunden zur Verfügung, da muss man jeden Moment ausnutzen. Aufatmen, kein Tropfen rinnt ins Fahrzeuginnere. Nach dem Ortsschild und mit Tempo 50 ist das ohnehin kein Thema mehr, stattdessen lassen wir alle vier Scheiben herunter und versuchen möglichst viel der vom Regen gereinigten Luft mitzubekommen. Wenige Minuten später beginnt die Bewährungsprobe, wir biegen in die Königsallee ein. Hier, wo sich am Wochenende die Supersportwagen ein Stelldichein geben, ist es schwer, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Da muss man schon etwas Besonderes bieten. Das tut das Evoque Cabrio offensichtlich, denn schon an der ersten Ampel gehen im Nachbarauto die Scheiben herunter und wir starren in das feixende Gesicht des Fahrers. „Geile Farbe“ schallt es zu uns herüber und wir nicken als Antwort freundlich. Einige hundert Meter weiter entdecken wir einen Parkplatz vor einem Café, parken den Evoque demonstrativ offen und setzen uns auf ein paar Koffeinstöße in Reichweite. Während die kaum noch zählbaren 911er, X6 oder auch ein paar versprengte Bentley eher beiläufig zur Kenntnis genommen werden, können viele am Evoque Cabrio nicht vorbei. Genau wird der Innenraum in Augenschein genommen, abgeschätzt, ob die Familie wohl hineinpasst und hier und da auch ein Foto gemacht. Klare Sache: Das Cabrio wirkt.

Geschlossen? Kann man machn, muss man aber nicht. Das Evoque Cabrio taugt für nahezu jedes Wetter

Geschlossen? Kann man machen, muss man aber nicht. Das Evoque Cabrio taugt für nahezu jedes Wetter

Die machen Ernst

2012 stand die erste Studie zum Evoque Cabrio auf den Automessen dieser Welt. Ein SUV als Cabrio? Das gab es – neben eher skurrilen Fahrzeugen mit militärischem Hintergrund – bislang nur in der Form des vorhersehbar nicht sehr erfolgreichen Nissan Murano. Der Zweck heiligt die Mittel in solchen Fällen nämlich nicht, die Japaner hatten damals schlichtweg vergessen, die Designabteilung in die Entwicklung mit einzubeziehen. Solche Fehler macht man bei Land Rover schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Alles, was seit dem Evoque skizziert wurde, hat das Zeug zur Designikone oder ist zumindest gestalterisch mit einer ausgesprochen hohen Halbwertzeit gesegnet. Da musste die Veränderung speziell beim Evoque wohlbedacht sein.

Nähern wir uns also dem Gefährt, dass drei Wünsche auf einmal erfüllen möchte. Als Zweitürer ist dem Cabrio die Coupé-Linie ja gewissermaßen in die Wiege gelegt. Das geschlossene Stoffdach komplettiert den markanten Unterbau perfekt. Die Proportionen sind stimmig, die optischen Details wohldosiert. Sie lenken nicht vom Gesamteindruck ab, sondern perfektionieren ihn wie gutes Make-up ein Gesicht. Auch sonst ist man sich bei Land Rover treu geblieben: Die charakteristische Lichtsignatur ist sofort der Marke zuzuordnen, das Verhältnis von Karosserie zu Lufteinlässen ist ausgewogen – ein Statement eben wie alle Autos der Marke.

Infotainment extrabreit: InControl Touch Pro gibt es optional sogar mit 60 GB großer SSD für Musik

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Innen bietet sich der gewohnte Ausblick. Gut gewählte Materialien, das schon bekannte Cockpit mit mittlerweile recht breitformatigem Screen in der Mitte. Das lässt Platz für die Möglichkeiten, die das neue Infotainment bietet. Der Evoque kann jetzt auch ein bisschen Online. Er schnappt sich Wetterberichte aus dem Internet, trumpft mit aktuellen Verkehrsinfos auf und kann auch sonst vieles, was die eher moderat alte Zielgruppe verlangt. Gut zu wissen, es soll ja Situationen geben, in denen man mit geschlossenem Dach und im Kriechgang unterwegs ist, da ist Abwechslung willkommen. Das Meridian Soundsystem brummt und zischt besser als die Standardausstattung, in Verbindung mit der Quellenvielfalt von DAB bis zum Smartphone hat man so adäquate Beschallung an Bord, die zu Lautstärken befähigt, mit denen man auch die Umwelt am eigenen, zweifellos guten Musikgeschmack teilhaben lassen kann.

Erstaunlicherweise ist Großbritannien das Land mit den meisten zugelassenen Cabrios

Das Hamburg Syndrom

Erstaunlicherweise ist Großbritannien das Land mit den meisten zugelassenen Cabrios. Angesichts des von dort üblicherweise zu erwartenden Wetters löst das erst einmal Verwunderung aus. Wahrscheinlich ist es aber eine Trotzreaktion, wir nennen das immer Hamburg-Syndrom. Auch dort gibt es nicht Sonnenstunden en Masse, was vermutlich gerade dazu führt, dass jede einzelne maximal ausgenutzt werden muss. In Sachen Automobil bedeutet das eben ein Cabriolet, um jeden Sonnenstrahl zu erhaschen. Dazu bedarf es per se eines Stoffdaches, vor allem aber der Möglichkeit, dieses schnell zu öffnen. Beim Evoque dauert das – selbstverständlich motorisch – in etwa 18 Sekunden. Ein wichtiger Wert, noch wichtiger ist aber, dass dies bei Geschwindigkeiten bis zu 48 km/h geht. Das erlaubt es in der Innenstadt eigentlich jederzeit, auf die aktuelle Wetterlage zu reagieren, außerorts bedarf es dafür einer Ampelphase oder eines Parkplatzes. Wir haben es auf der Autobahn am ersten Rastplatz ausprobiert: In der Ausfahrt schon ordentlich verzögern, den griffgünstig in der Mittelkonsole platzierten Taster betätigen und langsam über den Rastplatz gleiten. Schon vor dem Ende ist das Dach unten und während noch die vier Fenster hochfahren, ist schon wieder Beschleunigung angesagt. Ist man gut, verliert man bei der Aktion höchstens zwei drei Positionen, eine Zeitstrafe, die wir für den folgenden Frischluftgenuss gerne in Kauf nehmen.

Der Countdown läuft: Frischluftspass in 18, 17, 16...

Der Countdown läuft: Frischluftspass in 18, 17, 16…

Auf der Autobahn ist das Evoque Cabrio auch offen durchaus mit Langstreckenqualitäten gesegnet. Mit hochgeklappten Windschott sind die Verwirbelungen im Innenraum wohldosiert, lässt man Scheiben und Schott, letzteres per Hand, herunter, dann zaubert der Fahrtwind in Sekunden neue Trendfrisuren und zeitgleich ein breites Grinsen ins Gesicht. Geschlossen ist es angenehm ruhig. Nicht flüsterleise, aber genau so, dass man problemlos die Langstrecke in Richtung Küste am Stück absolvieren kann, bevor man vor Ort in den Open Air Modus wechselt.

 

Motorisch machte der zum Test bereitgestellte Diesel nicht nur Sinn, sondern auch Spaß. Er zieht bei niedrigen Drehzahlen gut durch, was der Automatik entgegenkommt, kann bei Bedarf auch mal Forscher zur Sache gehen und beschleunigt das Fuhrwerk Orange bis an die 200er Marke. Kann man machen, auch offen, besser haben uns Geschwindigkeiten um 140 bis 160 km/h gefallen, aber das ist Geschmacksache. Platztechnisch Sites eben ein Evoque. Zwei sitzen sehr bequem, vier können sich mit Kurzstrecken arrangieren und ein bisschen Gepäck passt Icon den Kofferraum. Familien mit Kindern und Hund finden im Hause Land Rover aber sicher bessere Alternativen.

 

Extras? Hat er

Über die kommunikativen Fähigkeiten sprachen wir schon, doch damit ist die Aufpreisliste noch nicht am Ende. Neben Navi, Soundsystem und einer großen Anzahl von Möglichkeiten zur optischen Individualisierung gibt es Nettigkeiten wie ein 360 Grad Kamerasystem oder Massagesitze. Im Grunde also Luxus im Kompaktformat. Gibt es irgendwas nicht? Ja, der Tempomat arbeitet nicht adaptiv, ist also nicht in der Lage, den ABStand zum Vordermann zu wahren. Okay, muss man nicht haben, aber schön wäre es schön. Gleiches gilt für den Spurassistenten, der bei Verlassen der Fahrspur warnt, aber nicht korrigierend eingreifen kann. Dafür gibt es ein schnuckeliges Head-up-Display, dass Soll- und Istgeschwindigkeit einblendet und Navianweisungen visualisiert. Feine Sache.

 

Kaufbefehl?

Urlaubsfahrt mit der Großfamilie? Kann er nicht. Schrankwand vom Möbelhaus nach Hause transportieren? Kann er nicht. 0 auf 100 unter 3 Sekunden? Kann er auch nicht. Warum also sollte man sich das Evoque Cabrio gönnen? Einfach, weil man nirgends sonst drei gleichsam unpraktische wie faszinierende Fahrzeuge auf einmal bekommt. Und das auch noch in bezahlbarer Form. Aktuell beginnt der Einstieg ein wenig über 50.000 Euro, doch dafür bekommt man bereits ein ausgesprochen gut ausgestattetes Cabrio mit einem 180 PS kräftigen Diesel, Allradantrieb und Automatik. Wem das zu teuer ist, der muss auf die sicherlich folgenden Varianten mit weniger Dampf, Handschaltung und vielleicht sogar nur Frontantrieb warten. Den einzigartigen Sexappeal dürften auch diese Versionen haben.

 

Range Rover Evoque Cabrio
SUV, Cabrio und Coupé in Personalunion. Wer einen kompakten, bezahlbaren Eyecatcher sucht, der Fahrspaß bei jedem Wetter bietet, wird hier fündig.
4-sitziges SUV-Cabrio, Allradantrieb
2 Liter Diesel mit 180 PS und 400 Nm
2 Liter Benziner mit 240 PS und 340 Nm
ab ca. 51.000 Euro
www.landrover.de

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