Lyravox Stereomaster – Musik aus der Manufaktur

by • 6. Februar 2015 • Elektronik, featuredComments (0)2905 •

Lyravox Stereomaster

Lyravox Stereomaster

Ist es ein Möbel? Ein Relikt aus der Zeit des Art déco? Mitnichten. Lyravox’ Stereomaster ist ein Soundsystem und wagt eine Neuinterpretation des Themas Musiktruhe für das 21. Jahrhundert. Sehenswert, hörenswert und in ambitionierten Preisregionen.

Lyravox Stereomaster

Lyravox Stereomaster

„Was ist das denn?“, ist die erste Reaktion des unvoreingenommenen Betrachters. Das elegante, hochglanzpolierte Holzgehäuse mit den metallenen Gittern lässt zwar mutmaßen, dass es hier um Schall geht, doch so richtig mag man sich beim Erstkontakt nicht festlegen. Was da an der Wand hängt, ist der Stereomaster von Lyravox. Kennen Sie nicht? Kein Problem, schließlich gibt es dieses Produkt erst seit Ende 2014 und es ist darüber hinaus für eine – wie man so schön sagt – spitze Zielgruppe konzipiert. Ob der Stereomaster dennoch ein schönes Produkt mit einer interessanten Story ist, wollen wir im Folgenden herausfinden.

 

Der beste Ghettoblaster

Es ist November 2014. Im 25h Hotel in Hamburgs Hafencity stehen zwei Männer auf einem rohen Holzgehäuse, einem frühen Prototypen des hier vorgestellten Stereomaster, und erklären sich, respektive einer Ansammlung anwesender Journaisten die Idee hinter ihrem Produkt. Das Ambiente passt perfekt, denn das durchgestylte Hotel besitzt einen Vinyl-Room mit Plattenspielern und liebevoll arrangierten LPs, die in den umliegenden Regalen zur Schau gestellt werden. Es geht also zweifelsfrei um Musik, daran lassen auch die beiden Gründer von Lyravox auf ihrer „Empore“ keinen Zweifel. Mit typisch nordischem Understatement erklären die Hamburger, dass ursprünglich mal ihre Absicht war, den „besten Ghettoblaster der Welt“ zu bauen. Ein Augenzwinkern können sich beide dabei nicht verkneifen, denn das Endprodukt ist vom Einsatz in den Straßen der Großstadt so weit entfernt wie ein Maybach von einem abgewrackten New Yorker Taxi.

“ Wir wollten den „besten Ghettoblaster der Welt“ bauen“Dr. Götz von Laffert und Jens Wietschorke, Lyravox

Die Männer hinter dem Stereomaster, pardon, auf ihm, sind Dr. Götz von Laffert und Jens Wietschorke. Der eine hat seinen Ursprung im Finanzwesen, der andere befasst sich seit Jahr und Tag mit Lautsprechern. Zusammen kam den beiden irgendwann die Idee, das Thema Lautsprecher einmal völlig neu, andererseits mit viel historischem Bezug zu definieren.

 

Moderne Technik in Retroverpackung

Das Ergebnis ist der Lyravox Stereomaster, Es ist eine Box, nein, eher ein Möbelstück, gedacht zur Wandmontage, aufwändigst gefertigt und mit ausgesuchten Chassis von ScanSpeak aus Dänemark bestückt. Diese zählen zum feinsten und somit auch zum Teuersten, was man beim Lautsprecherbau einsetzen kann, was in Verbindung mit der verbauten Elektronik und dem komplexen Gehäuse sicherlich auch den Preis des Stereomasters rechtfertigt. Doch beginnen wir am Anfang.

 

Warum ein Gehäuse? Die Antwort ist einfach – so bekommt man eine klar definierte Lautsprecheranordnung. Der Stereomaster setzt nämlich sowohl auf direkten als auch indirekten Schall, um der viel diskutierten Problematik des Stereodreiecks entegegenzuwirken. Stattdessen soll man überall im Raum einhüllenden Klang genießen können, so das Credo der Entwickler. Da macht ein Gehäuse Sinn, denn so hat man volle Kontrolle über die Platzierung und somit Abstrahlung der Lautsprecher. Je Stereokanal sind das drei Systeme, ein Zweiwegsystem, das die Zuhörer direkt anstrahlt und ein weiterer Breitbänder, der seitlich positioniert ist und den Raum über Reflexionen mit Sound füllt. Je nach Baugröße, den Stereomaster gibt es noch in unterschiedlichen Dimensionen, kommen dann noch vier Tieftöner dazu. Das „kleine“ Modell namens 170 (nach der Gehäusebreite in Zentimetern) kommt ohne Bassverstärkung aus, die Modelle 200 und 240 verfügen über 2×2 Subwoofer, beim ersten Modell in einer sogenannten Compound-Anordnung, also paarweise hintereinander montiert, beim ganz großen Stereomaster kommen zwei Subwooferpaare unterschiedlicher Größe zum Einsatz.

 

Dr. Götz von Laffert und Jens Wietschorke

Dr. Götz von Laffert und Jens Wietschorke

Jedes Chassis wird von einer eigenen, kräftigen Class-D Endstufe versorgt, in Verbindung mit dem 800 Watt starken Schaltnetzteil lässt das leistungstechnisch keinerlei Fragen offen. Noch entscheidender ist aber die eingesetzte Elektronik, die sich um das Processing sowie die Einbindung der unterschiedlichen Quellen kümmert. Ein achtkanaliger DSP übernimmt feinfühlige Korrekturen sowie die Anpassung der Laufzeiten und moderne Streamingtechnik von Audivo liefert das zeitgemäße Portfolio an Quellen von Internetradio bis hin zu Streamingdiensten. Bei letzteren gibt man sich noch etwas zurückhaltend, nach und nach sollen aber alle wichtigen Dienste integriert werden, angesichts der gebotenen Klangqualität machen da natürlich vorrangig die Varianten ohne Datenreduktion Sinn. Dazu gibt es – lobenswert – ein klassisches CD-Laufwerk an der Vorderseite und natürlich einen USB-Port. Das Portfolio an Musikquellen umfasst somit alles vom mal eben angestöpselten USB-Stick über die bewährte CD-Sammlung bis hin zum Musikarchiv im heimischen Netzwerk. Via Ethernet versorgt sich der Steromaster mit den dort verfügbaren Musikdateien und diese dürfen gerne auch in höchster Auflösung bis zu 24 Bit und 192 kHz vorliegen. Dazu gibt es noch je einen analogen und digitalen Eingang und die Option Musik per Bluetooth einzuspielen.

 

Kontrolliert wird das Ganze mittels der komfortablen Funkfernbedienung mit ihrem ausreichend dimensionierten Display. Diese wird samt Akkus und Ladehalterung mitgeliefert und ist so stets einsatzbereit. Das Farbdisplay bietet Infos über den gerade wiedergegebenen Inhalt und erlaubt die unkomplizierte Steuerung eines oder mehrerer Stereomaster, denn diese lassen sich auch als Multiroomsystem konfigurieren. Noch bequemer ist allerdings die Steuerung mit der App, die es für iOS und Android geben wird, zum Test stand uns eine noch nicht ganz finalisierte Entwicklerversion zur Verfügung.

 

Einhüllender Wohlklang

So technisch, so gut. Die entscheidende Frage ist: Was kann der Stereomaster? Erster Eindruck: Das musikalische Möbel ist beeindruckend neutral und natürlich. Stimmen klingen definiert und authentisch, die Dynamik der Musik wird in vollem Umfang wiedergegeben. Da beherrscht jemand sein Handwerk bei der Abstimmung von Lautsprechern, ganz ohne Zweifel. Interessanter ist die Frage, ob die Sache mit der Räumlichkeit so funktioniert, wie geplant. Also sind Positionswechsel angesagt und in der Tat hat man nahezu unabhängig vom Hörplatz einen ausgesprochen charmanten, einhüllenden Klang. Das funktioniert bei minimalistischen Vocal-Tracks genauso wie bei komplexen, klassischen Inszenierungen – Gratulation. Kann das Art déco Schmuckstück auch Disco? Es kann. Präzise Bässe versetzen erst die Luft und dann die Zuhörer in Schwingungen, Aufgabe erfüllt.

 

Natürlich ist der Stereomaster von Lyravox ein exklusiver Spaß. Bei Preisen, die bei etwa 19.000 Euro beginnen, stockt den meisten von uns erst einmal der Atem. Angesichts der Tatsache, dass man aber eben nicht nur einen Lautsprecher, sondern eine komplette Anlage bekommt, relativiert sich der finanzielle Einsatz ein wenig. Andernorts bekommt man für ähnliche Summen auch schon mal nur ein Pärchen Regallautsprecher mit vergleichbarer Bestückung, so gesehen hat man hier fast ein günstiges Angebot.

 

Die potenziellen Kunden von Lyravox dürften aber eher nicht durch High End Studios tingeln, um die „Musikbox“ mit anderen Lösungen zu vergleichen, sie sind auf der Suche nach einer einzigartigen Lösung, die sich in ihr Wohnambiente integriert und dabei unkomplizierten und zeitgemäßen Musikgenuss bietet. Das ist den Hamburgern gelungen und jetzt kann man dem ambitionierten Konzept nur wünschen, dass die sicherlich existierende Zielgruppe auch Kenntnis von der Existenz dieses Kleinods bekommt.

 

Lyravox Stereomaster SM2-200Musiksystem mit integrierter Elektronik, Wiedergabe von Musik aus dem Netzwerk, von Streamingdiensten, Internetradio, USB und CDAb ca. 19.000 Euro

www.lyravox.de

 

Nicht nur der beste Ghettoblaster der Welt, sondern eine Mixtur aus High End und ambitioniertem Möbelbau

Wertung

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