Magnat Signature 909 – die vielleicht letzten Lautsprecher, in die Sie investieren müssen

by • 27. Dezember 2019 • Audio, featuredComments (0)737 •

Tragende Säulen – die Magnat Signature 909 ist das Topmodell der 900er Serie

Hifi, das besser ist als Hifi, nennt man in Insiderkreisen High End. Genau so klingt die Signature 909 von Magnat. Allerdings ohne, dass man einen entsprechenden Aufpreis bezahlen müsste. Warum aus dem rheinischen Pulheim so verdammt gute Lautsprecher kommen.

Am doppelten Tieftöner sollt ihr sie erkennen, die Magnat Signature 909


Mutmaßlich ist es die Liebe zur Musik, die Menschen dazu bringt, sich beruflich mit Lautsprechern auseinanderzusetzen. Was zunächst einfach aussieht – Membranen, die Luft in Bewegung setzen – entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Wissenschaft, genauer gesagt einer Mischung aus Physik und Chemie. Die Physik gibt dabei relativ enge Regeln vor, mit der Chemie, nämlich besonderen Materialien und Bauteilen, versucht man, diese Regeln auszureizen, wie ein Teenager die vereinbarte Schlafenszeit.

Mehr geht immer?

Das Ausreizen von Grenzen betrifft bei Lautsprechern unter anderem die Frequenzen, die höchsten und die tiefsten. Nach unten hin ist es vermeintlich simpel: Größere Membran, mehr bewegte Luft, tiefere Frequenzen. Aber so eine Membran ist nun mal kein theoretisches Konstrukt, sondern besteht aus durchaus weltlichen Materialien. Und wenn man diese in der Mitte einer runden Membran antreibt, denn dort sitzen Schwingspule und Magnet, dann heißt das noch lange nicht, dass die äußeren Enden den elektrischen Befehlen genauso gehorchen. Das funktioniert umso besser, je stabiler das Membranmaterial ist. Edelstahl wäre da eine tolle Lösung, hat aber einen Nachteil: das Gewicht. Denn schwer ist einerseits schlecht in Schwung zu bringen und andererseits schwer zur Richtungsumkehr zu bewegen. Also soll das Membranmaterial leicht sein. Doch dann fehlt oft die nötige Stabilität. 

Bei Magnat rückt man dieser Problematik mit einem Verbundmaterial zu Leibe, sprich: Hier kommt ein Mix zum Einsatz. In der Signature 909 ist das, wie bei allen Lautsprechern der Serie, eine Mischung aus Keramik und Aluminium. Die beiden Stoffe entstehen zudem in einem besonders cleveren Prozess, denn die Aluminium-Membran wird chemisch behandelt, wodurch auf der Oberfläche eine Keramikschicht entsteht. Das dynamische Duo bleibt auf diese Art bestechend leicht, durch die Kombination von zwei unterschiedlichen Stoffen werden jedoch Schwingungen im Inneren der Membran im Keim erstickt. Ziel erreicht. In Zahlen? Die Signature 909 spielt bis hinunter zu 22 Hz. Das ist tief, verdammt tief. 

Higher than high

Am anderen Ende der Frequenzskala arbeiten Hochtöner. Die Verwendung des Plurals ist an dieser Stelle richtig, denn in der kompletten 900er-Reihe kommt ein Doppelhochtöner zum Einsatz. Eine 30 mm große Kalotte übernimmt die üblichen Hochtonpflichten. Ein weiteres, nur noch 20 mm großes Exemplar kümmert sich um den darüber liegenden Frequenzbereich bis 50.000 Hz.

„50.000 Hz? Das hört doch kein Mensch. Oder?“

50.000 Hz? Das hört doch kein Mensch. Zunächst einmal ist diese Annahme richtig, doch die auf entsprechenden Aufnahmen im Hi-Res-Format durchaus enthaltenen Signale in diesem Bereich sind für den Menschen durchaus wahrnehmbar. Es mögen subtile Unterschiede sein, doch sie sind vorhanden. Diese immer feiner werdenden Differenzierungen machen im High-End-Segment schließlich den entscheidenden Unterschied.

Gleich zwei Hochtöner arbeiten in der Hi-Res-zertifizierten Einheit – bis hinauf zu 50.000 Hz

Das belegen auch die Ergebnisse der Japan Audio Society, die entsprechenden Produkten das Hi-Res-Zertifikat verleiht, mit dem sich auch die Signature 909 schmücken darf. Es besagt, dass ein Produkt in der Lage ist, Frequenzen oberhalb von 40.000 Hz wiederzugeben, und das meistert die Doppel-Hochtoneinheit der 909 souverän.

Ab in den Hörraum

Grau ist alle Theorie, was Lautsprecher in der Praxis leisten, zählt viel mehr. Doch vor diese praktische Erprobung haben die Entwickler erst einmal körperliche Arbeit gesetzt. Mit den Bodenplatten und Spikes versehen, sind die 909er immerhin 122 cm hoch und je Stück satte 37 Kilo schwer. Das massive Gehäuse fordert vom Aufstellenden seinen Tribut. Richtig platziert und an ordentlicher Elektronik angeschlossen durften die 909 dann in der Redaktion loslegen, und das taten sie mit aller Macht.

Die beiden 20 cm großen Bässe spielen mit beeindruckender Präzision. Magnat selbst empfiehlt Verstärker ab 30 Watt Leistung, wir sind aber der Meinung, dass ein ehrliches dreistelliges Kraftpotenzial nicht fehl am Platz ist, wenn man die dynamischen Fähigkeiten der Signature auch einmal ausreizen möchte. Wer möchte, kann dank der Bi-Wiring-Terminals die Bässe und die restlichen Schallwandler auch mit getrennten Endstufen versorgen, ein reizvolles Experiment, das wir durchaus zur Nachahmung empfehlen können, auch wenn es natürlich das Gesamtbudget nochmals anhebt. Aber auch an klassenüblicher Elektronik, zum Beispiel dem Receiver MR 780 von Magnat, liefern die beiden Boliden respektable Leistungen ab.

Und der Hochtonbereich? Nun, dafür gilt es erst einmal, das passende Futter zu finden. High-Res-Material gibt es mittlerweile ja auch bei Streaming-Diensten wie Tidal und genau diesen haben wir mitsamt des Roon Nucleus (Test in Heft 5.2019) bemüht. Und siehe, pardon, höre da: Es gibt merkliche Unterschiede, wenn die angeschlossene Elektronik diese vermitteln kann. Es ist nicht so, dass man zusätzliche Höhen hören würde, aber der obere Frequenzbereich klingt einfach befreiter, und davon profitiert auch die räumliche Abbildung der Aufnahmesituation, wenn die Musik dieses zulässt.

Musik und Film

Schön und gut. So knapp und treffend kann man die Signature 909 beschreiben. Das beste kommt aber – wie so oft – zum Schluss. Für die gut einen Meter hohen Klangskulpturen, die wahrscheinlich die letzten Lautsprecher sein werden, die Sie je benötigen, verlangt Magnat einen fairen Stückpreis von 1.700 Euro. Das sind pro Kilo knapp 46 Euro, also deutlich weniger, als man für gutes Filet ausgeben muss. Und wir wissen alle, dass Filet eine ziemlich üble CO2-Bilanz hat.

„Für die gut einen Meter hohen Klangskulpturen  verlangt Magnat einen fairen Stückpreis von 1.700 Euro. Das sind pro Kilo knapp 46 Euro, also deutlich weniger, als man für gutes Filet ausgeben muss.“

Besser noch: Wer nicht nur Musik, sondern auch Filme liebt, der wird in der 900er Serie ebenfalls fündig. Es gibt einen ausgewachsenen Center mit identischen Materialien, einen aktiven Subwoofer mit richtig Dampf, der das Frequenzspektrum nochmals um 5 Hz nach unten erweitert, und kompakte Regallautsprecher, die die Serie zu einem Surroundsystem ergänzen. Außerdem sind seit kurzem Einbaulautsprecher mit Signature-Technologie erhältlich, sodass man sorgenfrei sein ganzes Haus mit identischem Sound verwöhnen kann. Wenn Sie also jetzt noch mal in Lautsprecher investieren wollen, dann in diese.

Mehr Infos: www.magnat.de

Ein 4-Wege Standlautsprecher mit Doppelhochtöner für Frequenzen bis zu 50.000 Hz? Das klingt nach Voodoo, hat aber handfeste, physiologische Grundlagen. Unabhängig davon ist die Signature 909 einer der besten Lautsprecher, die man sich ruhigen Gewissens gönnen kann.

Wertung

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