Hände weg – Autonomes Fahren kurz erfahren

by • 17. November 2014 • MobilitätComments (0)1872

Mach mal Mercedes - Die Zukunft des autonomen Fahrens scheint in Sunnyvale nicht mehr allzu weit entfernt

Mach‘ mal Mercedes – Die Zukunft des autonomen Fahrens scheint in Sunnyvale nicht mehr allzu weit entfernt

Gefahren werden ist großartig – je nach Lage der Dinge. Vom Computer gefahren werden ist noch großartiger. Wir hatten heut ein Sunnyvale das Vergnügen, auf dem Rücksitz von „Bertha“, einer S Klasse mit viel Sensorik autonom durch Sunnyvale zu gleiten.

Das neue R&D Center von Mercedes im Herzen des Silicon Valley

Das neue R&D Center von Mercedes im Herzen des Silicon Valley bietet ideale Entwicklungsbedingungen

Kurz nach der Fahrt vom Gelände von Mercedes‘ R&D Center schaltet das Entwicklerteam die S-Klasse in den autonomen Modus. Hände vom Steuer, Kollege Computer übernimmt. Völlig ohne Zutun der Fahrerin wechselt das Digital-Dickschiff Fahrspuren, fädelt in den Highway-Verkehr ein und hält an roten Ampeln. Eine leise, weiblich Stimme verkündet „traffic light is red“. Der Farbwechsel auf Grün wird ebenfalls kommentiert und die Fahrt geht wieder los. Zweispuriges Abbiegen? Kein Problem. Ein Radfahrer? Erkannt. Ausgesprochen zurückhaltend ist die S-Klasse natürlich unterwegs, hält sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen und wird – Zeichen der Zeit – deshalb von einer hinterherfahrenden E-Klasse eskortiert, die vermeiden soll, dass jemand dem sündhaft teuren Forschungsfahrzeug ungeduldig ins Heck rauscht.

Fehlerfrei zirkelt die S-Klasse S500 Intelligent Drive über die Straßen Kaliforniens

Fehlerfrei zirkelt die S-Klasse S500 Intelligent Drive über die Straßen Kaliforniens

Sündhaft teuer, weil sündhaft aufwändig. Es ist nicht mal die Sensorik, die unterscheidet sich gar nicht so sehr von dem was standardmäßig in den Luxuslimousinen aus Stuttgart verbaut ist. Einzig eine spezielle Kamera, die die hier in den Staaten ja hinter den Kreuzungen platzierten Ampeln besser auswerten kann und vier zusätzliche Radarsensoren sind verbaut. Aufwändiger sind da schon die drei ausgewachsenen Computer, die die eingehenden Signale auswerten müssen. Wie gut sie das machen, davon kann man sich auf diversen Bildschirmen überzeugen. Auf dem bewährten Navidisplay sieht man das mit Zusatzinformationen überlagerte Kamerabild, ein zusätzlicher Screen zeigt an, was die Radarsensoren erfassen. Andere Verkehrsteilnehmer werden hier durch grüne Pfeile visualisiert. Aufgrund all dieser Informationen trifft das System dann seine Entscheidungen und die sind bei unserer gut zehn Minuten dauernden Fahrt ausnahmslos richtig.Sollte das System nicht weiterwissen, gibt es die Verantwortung wieder an den Fahrer ab. Dann wird automatisch ein Report generiert, der an die entsprechenden Stellen in Kalifornien weitergeleitet werden muss. Das ist Teil des Abkommens mit den Behörden, denn der US-Bundesstaat hat als erster entsprechende, gesetzliche Randbedingungen geschaffen, um autonome Fahrzeuge im Alltag zu erproben.

Ein paar Jahre werden wir uns noch gedulden müssen, doch die autonome, automobile Zukunft ist technisch in greifbarer Nähe

Ein paar Jahre werden wir uns noch gedulden müssen, doch die autonome, automobile Zukunft ist technisch in greifbarer Nähe

Viel entscheidender als die Sensorik, die im Prinzip schon jetzt autonomes Fahren ermöglichen könnte, sind hochpräzise Kartendaten, viel umfangreicher als das, was es zurzeit am Markt gibt. Deswegen hat „Bertha“ die zu fahrenden Strecken auch selbst kartographiert. Zentimetergenau sind Straßen, Markierungen und wichtige Orientierungspunkte erfasst, so dass sie vom System zur Bestätigung ausgewertet werden können. Folglich wird das zur Verfügung stellen von entsprechenden Daten auch einer der Hauptfaktoren für die Einführung autonomer Fahrzeuge sein. Car-2-Car und Car-2-X-Kommunikation hingegen schließt der Entwickler zunächst aus, denn dazu wird der Bestand an nicht intelligenten Fahrzeugen noch lange zu groß sein. Das gibt Hoffnung, denn es deutet auf eine nicht allzu weit entfernte Markteinführung, wenn sich die Gesetzgeber nicht querstellen.

 

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